CINEC 2018: Technik für neue Perspektiven – Neue Wege zum Publikum

cinec Messe

Technik für neue Perspektiven – Neue Wege zum Publikum

Streaming-Plattformen und Serien-Hype sind ein Dauerthema. Sie verändern nicht nur die Art, Geschichten zu erzählen, sondern treiben auch die technische Entwicklung an. Ihre Neuheiten präsentieren die führenden Hersteller der Welt auf der cinec in München. Die Internationalen Fachmesse für Cine Equipment und Technologie findet im September zum zwölften Mal statt.

Acht Milliarden US-Dollar für mehr als 700 Serien und 80 Spielfilme – so viel will Netflix allein in diesem Jahr in neue Produktionen investieren. Was vor 20 Jahren als Online-Videothek in Kalifornien begann, ist heute die größte Streaming-Plattform der Welt und hat einen neuen, dritten Weg zum Publikum gefunden. Während Kino und Fernsehen um jeden Zuschauer kämpfen, meldet Netflix ständig neue Zuwächse, und deutsche Fernsehsender wie US-Studios arbeiten mit Hochdruck an eigenen Angeboten.

Die neue Art, Filme zu zeigen, gründet ihren Erfolg auf das Format der Serie: Sie gibt den Filmemachern mehr Zeit, Figuren und Geschichte zu entwickeln, dafür stehen ihnen üppige Budgets zur Verfügung – und vor allem Raum für Experimente. Mit der klassischen Fernsehserie hat das oft nicht mehr viel zu tun: Die populärsten dieser Erzählungen sind eher überlange Filme von mehreren Stunden, die gerne am Stück gesehen werden.

Allein in den USA haben darum viele Independent-Filmer hier eine neue Spielwiese gefunden. Und auch für deren »normale« Filme bietet der dritte Weg zum Publikum eine neue Chance. Das hochgelobte und vielprämierte Südstaaten-Drama „Mudbound“ etwa hatte seine Premiere auf Netflix, ehe es dieses Jahr für vier Oscars nominiert wurde – darunter der für die beste Bildgestaltung.

Nicht nur in Form und Inhalt setzen die Streaming-Plattformen neue Maßstäbe: Netflix hat 4K als Format für Produktion und Postproduktion festgelegt – eine viermal so große Auflösung wie der gegenwärtige Kinostandard, und in vielen Wohnzimmern bereits der Stand der Technik. Hersteller wie Sony, Arri, Panavision und Red bedienen das inzwischen mit Large-Format-Kameras, mit neuen Möglichkeiten und Herausforderungen für die Bildgestaltung: Knackigere Farben, sattere Schwärzen, mehr Schärfentiefe, kurz: neue Perspektiven verspricht die Auflösung in 4K.

Die Bildgestalter wiederum nutzen die ganze Bandbreite der Technik, um die Bilder zu schaffen, die ihnen vorschweben. Für Die letzten Yedi etwa, das jüngste Werk der Star-Wars-Saga, kombinierte DoP Steve Yedlin analoge 35- und 65-Millimeter-Kameras und Arris digitale Alexa, sowohl mit normalen als auch anamorphotischen Optiken. Und auch die Postproduktion setzt nicht mehr allein auf den Zauber digitaler Effekte aus dem Rechner, sondern kombiniert fröhlich die Manipulationen aus dem Rechner mit den alten, handgemachten Spezialeffekten am Set. Wie selbstverständlich verbinden sich aufwendige Effekte und unruhige Handkameraaufnahmen zu einer Erzählweise, die einen neuen Realismus schafft.

Was und wie alles möglich wird, präsentiert die cinec vom 22. bis 24. September 2018 in München. Auf der Internationalen Fachmesse für Cine Equipment und Technologie zeigen die führenden Hersteller aus 20 Ländern seit mehr als 20 Jahren ihre neuesten Entwicklungen und bewährtes Equipment und ziehen Besucher aus aller Welt an.

Die Technikschau wird vom cineCongress begleitet, dieses Jahr organisiert von der FKTG:

  • Im Vortragsblock „Aufnahme“ werden verschiedene Aspekte der bildlichen Gestaltung behandelt wie z.B. Licht, Farbe und Objektiveigenschaften. Neben grundsätzlichen Zusammenhängen teilen die Vortragenden ihre Erfahrungen mit und geben Empfehlungen für die praktische Umsetzung. In einem weiteren Vortrag wird die Frage der Geschlechtergerechtigkeit in diesem Berufsfeld diskutiert.
  • Neue Technologien ermöglichen Arbeitsabläufe und verändern die kreativen Prozesse in der Filmproduktion. Im Block „New Technologies“ wird auf technologische Aspekte, wie HDR, HFR, VR, etc. und deren Auswirkungen auf die Veränderung von Arbeitsabläufen in der Produktion eingegangen, einschließlich der Nutzung von 5G für PSME (Programme Making and Special Events).
  • Fileformate für die Aufzeichnung, Post-Produktion und Verteilung von Content werden im dritten Themenblock erläutert und mit einer Podiumsdiskussion mit Experten abgerundet.
  • Interessante Produktionen werden im Block „Workflows“ vorgestellt ergänzt durch die Vorstellung eines Innovationsprozesses im Bereich nachhaltiger Filmtechnologie.

Die besten Entwicklungen werden von einer Fachjury mit dem CinecAward ausgezeichnet.

Text & Bild: ALBRECHT Gesellschaft für Fachausstellungen und Kongresse mbH